108. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).

DGKJ Pressekonferenz am 13.09.2012 in CCH Hamburg.

DGKJ Pressekonferenz am 13.09.2012 in CCH Hamburg.

Am 13 – 16. September 2012 fand die 108. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) traditionell zusammen mit den Tagungen der Fachgesellschaften für Kinderchirurgie, Sozialpädiatrie und Jugendmedizin sowie dem Berufsverband Kinderkrankenpflege in CCN Hamburg statt. Unter dem Dach des Hamburger Kongresszentrums tagten diesmal zwei Konventgesellschaften, die Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) sowie die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH), zusammen mit der DGKJ. Die Jahrestagung 2012 will aber auch – im Sinne einer Woche der Kinder- und Jugendmedizin – helfen, die öffentliche Wahrnehmung für die sozialen und gesundheitlichen Probleme von Kindern und Jugendlichen zu verbessern.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist eine der mitgliederstärksten ärztlich-wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland – mehr als 14.500 Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte werden von der DGKJ vertreten.

Der Fach mitsamt seinen Spezialisierungen ist zuständig für extreme Frühchen und für suchtkranke Jugendliche, für Kleinkinder mit Krebs und für Kinder mit angeborenen Seltenen Erkrankungen. Ebenso wie die optimale medizinische Betreuung kranker Kinder zählt aber auch die Unterstützung der gesunden Entwicklung und die Prävention von Krankheiten zum Fokus der Kinder- und Jugendmedizin. Die klinische, diagnostische, therapeutische Bandbreite der Pädiatrie ist enorm, und das wissenschaftliche Programm hier in Hamburg – ein Gemeinschaftsprojekt von 7 pädiatrischen Vereinigungen! – spiegelt dies auch wider. Allerdings ist die Situation der pädiatrische Forschung in Deutschland hinsichtlich ihrer Infrastruktur und ihrer internationalen Bedeutung leider keineswegs so attraktiv wie ihre Thematik: Viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finden bessere Arbeitsbedingungen außerhalb Deutschlands. Um engagierten und begabten Nachwuchskräften eine Perspektive zu bieten, um die Pädiatrie im internationalen Zusammenhang wieder als konkurrenzfähig zu verankern, brauchen wir eine Stärkung der hervorragenden Forschungsansätze und eine Vernetzung bestehenden Wissenschaftsinitiativen. Die DGKJ setzt sich daher für ein Forschungszentrum für Kinder- und Jugendgesundheit ein. Sagte der Prof. Dr. Norbert Wagner der Präsident der DGKJ auf der Pressekonferenz am 13. 09.2012.

Auf dem Kongress wurde eine aktuelle Studie zu Computerabhängigkeit und ADHS von Dr. Christian Fricke vorgestellt. Exzessives Schreien, aggressives Verhalten, Schlafprobleme: rund sieben Prozent der Jungen und knapp 4 Prozent der Mädchen zwischen drei und sechs Jahren sind psychisch auffällig. Die Gruppeder Kinder, die ein sogenanntes „grenzwertiges“ Verhalten zeigen, ist nach Angaben der wichtigsten Studie zur Feststellung von Gesundheitsstörungen im Kindesalter, dem Kinder- und Jugend-Gesundheits-Survey, noch größer. Die multiprofessionellen Teams aus Ärzten, Psychotherapeuten, Ergo-, Physiotherapeuten und Logopäden in Sozialpädiatrischen Zentren bieten Diagnose und Therapie. Erfolgreiche Behandlungsmethoden wurden auf dem Kongress vorgestellt. In diesem Jahr fandt der Kinder- und Jugendärztekongress erstmals gemeinsam mit der Gesellschaft für Neonatologie und Intensivmedizin (GNPI) statt. Gemeinsames Ziel der Neonatologen und nachsorgenden Kinderärzte bzw. Sozialpädiater ist die bestmögliche Lebensqualität ehemals z.T. extrem kleiner Frühgeborener (Geburtsgewicht von ca. 500g). Die gemeinsame Sitzung mit der GNPI und DGSPJ widmeten sich der „Langzeitprognose und den Nachsorgestrukturen bei Frühgeburtlichkeit“. Dabei wurden Ergebnisse der niedersächsischen

Nachsorgestudie im internationalen Kontext diskutiert, so Prof. Michael Straßburg.

Kinderärzte haben eine Schlüsselrolle in der Unterstützung der Rechte aller Kinder auf

gleichberechtigten Zugang zu Gesundheit, Zahngesundheit, medizinischer Versorgung und Bildung auf der Grundlage der UN-Kinderrechtskonvention. Sie sollten sich der Barrieren bewusst sein, die Kindern mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund bei der Wahrnehmung dieser Rechte tatsächlich entgegenstehen. Dies gilt insbesondere bei aktueller Zuwanderungsgeschichte oder unklarem aufenthaltsrechtlichem Status. Mit den spezifischen Problemen von Kindern mit Migrationshintergrund befasste sich die Sitzung „Transkulturelle Pädiatrie“ Frau PD Dr. Erika Sievers. Von extremer Frühgeburt bzw. lebensbedrohlichen Unfällen oder Krankheiten sind glücklicherweise – in absoluten Zahlen – nur wenige Kinder betroffen; um so wichtiger ist für die Familien eine optimale Behandlung in der Akutsituation wie auch eine qualifizierte Betreuung im Langzeitverlauf. In diesem Kontext gab es eine Reihe aktueller Diskussionsthemen, die sich in den Schwerpunkten dieser Jahrestagung wiederfanden. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sind nun verstärkt auch mit der Behandlung von ehemals an Krebs bzw. Leukämie erkrankten Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Fragen der Behandlung von Langzeitfolgen, -nebenwirkungen und nicht zuletzt auch Fragen der Erhaltung der Lebensqualität werden zunehmend relevant. Eine besondere Rolle spielt die Erfüllung eines Kinderwunsches für ehemals an Krebs erkrankte Menschen. Dieses Thema wurde auch Gegenstand der wissenschaftlichen Veranstaltung sein. Eine wichtige Aufgabe ist die Regelung des Übergangs der Behandlung von ehemals erkrankten Kindern und Jugendlichen aus der Betreuung durch Kinder- und Jugendärzte in die Betreuung durch Hausärzte, Internisten und andere Spezialisten (Transition) Prof. Dr. Thomas Klingebiel Vorsitzender der GPOH. Die Kinderchirurgie als eigenständiges Fach ist relativ jung und hat sich erst in den letzten 50 – 60 Jahren als chirurgisches Spezialfach entwickelt. Die Kernkompetenz des Kinderchirurgen liegt vor allem in der Behandlung von Früh- und Neugeborenen und jungen Säuglingen mit chirurgischen Erkrankungen und angeborenen Fehlbildungen. Die Entwicklung der Kinderchirurgie als eigenständiges Fach war dadurch bedingt, dass man insbesondere im angloamerikanischen Raum in den 1950er und 1960er Jahren zu der Erkenntnis gekommen war, dass die Überlebensrate von Kindern mit schwerwiegenden, angeborenen Fehlbildungen desto besser war, je spezialisierter und erfahrener die behandelnden Chirurgen waren. Als sogenannte Indexdiagnose sei in diesem Kontext die Ösophagusatresie (angeborenes Fehlen der Speiseröhre) erwähnt. Die betroffenen Kinder überlebten in der Regel nur dann, wenn sie in spezialisierten Kinderkrankenhäusern behandelt wurden. Diese Entwicklung führte dazu, dass in großen Kinderkrankenhäusern spezialisierte Abteilungen für Kinderchirurgie entstanden und die dort tätigen Chirurgen sich ausschließlich der Behandlung kindlicher chirurgischer Erkrankungen widmeten. Nicht nur im angloamerikanischen Raum führte dies zu einer signifikanten Verbesserung der Behandlung chirurgisch kranker Kinder, sondern die gleiche Entwicklung fand fast zeitgleich auch in Europa statt. Der übergreifende Grundgedanke innerhalb der gesamten Kindermedizin ist der, dass Kinder eben keine „kleinen Erwachsenen“ sind, sondern einer speziellen, ganzheitlich auf das Kind gerichteten Behandlung und Pflege bedürfen.

Prof.h.c. Dr.h.c. Natalia Eitelbach of Philosophy, of European Science NCLC Institute (USA).

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